Schreibübung: 30-Minuten-Takt

Idee
Als der Autor Peter Wehrli 1968 auf einer mehrtägigen Zugfahrt von Zürich nach Beirut war, stellte er kurz nach der Abfahrt fest, dass er seinen Fotoapparat vergessen hatte. Er begann daher die Szenen, die er fotografiert hätte in kurzen, raschen Sätzen in Worte zu fassen. Worte kurz und knapp, wie das Klick des Fotoapparates. Daran muss ich denken, als ich meine Sachen für eine fünfstündige Zugfahrt packe. Ich habe die Idee, nicht Fotos in Texte zu übertragen, sondern die Zeit. Ich möchte versuchen, den Verlauf der Zeit darzustellen, indem ich alle 30 Minuten aufschreibe, was gerade passiert. Ich stelle mir vor, dass ich im Zug sitze, einen für mich ungewöhnlichen Tag erlebe und diesen anhand von halbstündigen Text-Schnipseln protokolliere. Ich bin gespannt, was dabei passiert.

Umsetzung
Ich halte auf der Fahrt von Kassel nach Wien alle 30 Minuten fest, was gerade um mich herum passiert.

Fazit
Es ist überraschend schwierig, den 30-Minuten Takt genau einzuhalten. Entweder steht da nur ein Satz, wie „Die Landschaft fliegt am Zugfenster vorbei“. Oder es gibt so viele Eindrücke, dass ich noch am Schreiben bin, wenn der nächste 30-Minuten-Takt erreicht ist. Lautet dann der nächste Eintrag „Ich schreibe“?

Wenn ein solcher, für mich ungewöhnlicher Tag vorbei ist, frage ich mich oft kopfschüttelnd „Wie, das war alles ein Tag?“. Ich überlege nun, wie sich dieser Eindruck, am ehesten durch den entstandenen Text vermitteln lässt. Oder, anders ausgedrückt, wie lässt sich dem Leser – bestenfalls einem weiteren außer mir selbst – ein Gesamteindruck des beschriebenen Tages vermitteln. Reicht es aus, als Systematik den Zeittakt zu verwenden? Oder müssen auch die jeweiligen Einträge zu den vorgewählten Zeitpunkten bestimmte formale Kriterien erfüllen? Zu manchen Zeitpunkten, würde ich gerne längere Texte gestalten. Geht dadurch der Rhythmus verloren oder macht gerade dies die Vielschichtigkeit solcher ungewöhnlicheren Tage deutlich?

Unabhängig von diesen noch zu klärenden Fragen, stelle ich fest, dass es Spaß macht, mir selbst eine Schreibübung auszudenken und mit den daraus entstehenden Texten zu experimentieren.


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