Ein Buch für den Notfall – Vom Verschwinden der Bücher (A rope in case)

A rope in case, so heißt eine der Geschichten von Lilian Beckwith. Die Geschichten sind herrlich altmodisch und ich lese sie immer wieder gerne. Kaum habe ich die ersten Sätze gelesen, koche ich mit der Erzählerin erst einmal eine neue Kanne Tee und suche nach der letzten Dose mit selbstgebackenen Keksen. Während zahlreicher Umzüge in den letzten Jahren habe ich ganz selbstverständlich alle meine Bücher mitgeschleppt. Nach und nach wurden es immer mehr und bei einigen fragte ich mich, ob ich sie wirklich jemals noch einmal lese. Oder welch anderen Grund es geben könnte, dass ich dieses Buch noch aufhebe. So habe ich in den letzten Jahren dann doch einiges ausgemistet. Verschenkt, verkauft, manches landete auch im Altpapier. Lillian Beckwith durfte bleiben.

 

Als ich diesen Sommer wieder einmal nach einem ihrer Bücher griff, nämlich nach genau diesem „A Rope in Case“ (in der deutschen Ausgabe: Ein frischer Wind vom Meer, dtv 1995), da dachte ich darüber, nach dieses doch mittlerweile abgegriffene Bändchen gegen ein neues zu ersetzen. Hm, nun denn, darüber nachdenken, das geht, aber das Buch kaufen, das geht nicht. Nach einiger Suche finde ich genau die gleiche Ausgabe, die ich bereits habe bei zvab.com (Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher).

Mir war schon immer klar, dass jedes Jahr neue Bücher erscheinen. Gerade wird mir bewusst, dass ich mir bisher wenige Gedanken darüber gemacht habe, dass Bücher auch wieder verschwinden. Manches gibt es dann einfach nicht mehr. Bei einem netten Plauderroman, wie Lillian Beckwith mag das zu verschmerzen sein. Doch selbst für Autoren wie Heinrich Böll oder Christa Wolf wird es schwer, alle Werke zu finden. Ich mache einen Versuch für die gesammelten Werke von Christa Wolf. Ich weiß genau, dass es sie gab. Ich überlegte damals lange sie zu kaufen, obwohl ich bereits zahlreiche Bücher von Christa Wolf besaß. Nichts zu finden. Nicht einmal gebraucht oder antiquarisch.

So sehr dies eine Zeit der Informationen im Überfluss ist, es gibt gleichzeitig Informationen die einfach verschwinden. Weg. Nicht einmal eine Spur ist davon noch zu finden. Mir wird bewusst, dass ich mich bisher darauf verlassen habe, dass ja alles da ist. Was brauche ich einen Brockhaus oder eine eigene Bibliothek. Google und amazon haben es ja rund um die Uhr für mich vorrätig. Pustekuchen. Alles haben sie, weil sie es verkaufen wollen. Nichts haben sie, weil es für mich wichtig ist. Ich werde nun nicht anfangen, alles was irgendwann einmal in Vergessenheit geraten könnte, aufzubewahren. Aber ich habe heute gelernt, die wieder mehr darauf zu achten, was aus den Dingen wird, die mir wichtig sind.


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