Irgendwann war da der Entschluss „Jetzt fange ich an zu schreiben!“. Genug Schreibratgeber gelesen. Genug im Internet gesurft. Jetzt kommen die Gedanken, die in meinem Kopf umhertoben auf ein Blatt Papier. Zuerst mit dem Füller festgetintet und danach digitalisiert.
Aber irgendwer soll das ja auch verstehen. Also muss der eine oder andere Feinschliff durchgeführt werden. Ab und an stecke ich mit dem feinen Schleifpapier so sehr fest, dass der grobe Meißel ran muss. Dann wieder das Schleifpapier.
Aber wann ist genug geschliffen? Erst wenn ich alle Füllwörter und schwachen Verben ersetzt habe? Ist das dann der Text, den ich eigentlich gleich hätte geschrieben haben wollen, mir aber mit dem Füllwörterfüllhorn selbst vermasselt habe? Oder geht mein wirklicher Text genau durch diese ganze Bearbeiterei verloren?
Wann ist ein Buch fertig? Und ist es dann das Buch, das ich schreiben wollte?
Während ich bei meinem eigenen Text alle verschiedenen Versionen kenne, sehe ich von den Büchern anderer Autoren nur die final Papierversion. Wie wäre es wohl, bei einem Buch, das in Buchhandlungen feilgeboten wird, die Korrekturversion zu sehen? Schade, dass ich die nicht sehen kann… Aber könnte ich nicht? Ja, das müsste doch gehen, müsste es nicht?? Na, klar geht das! Also los!!! Ich tippe von meinen Lieblingsbüchern aus dem Genre „Gartengeplauder“ jeweils eine zufällige Seite in der Mitte des Buches ab, lade den Text in mein Schreibprogramm und klicke auf Stilanalyse.
Plötzlich wimmelt es nur so von „gar nicht nur, einfach, fast, dann, ja, auch, ganz“. Da gibt es Monstersätzen, die ich selbst beim reinen Abtippen am liebsten in drei Hauptsätze geteilt hätte. So sieht also ein fertiges Buch im Korrekturmodus aus! Wenn der Autor alle gezeigten Ratschläge befolgt hätte, wäre das Buch langweilig und öde. Ist das, was Lektorat und Schreibprogramm beim Schreibprozess als unzulänglich markieren, beim fertigen Buch des etablierten Autors dann der charakteristische Schreibstil?

