Eigentlich möchte der Autor die Füllwörter liebhaben

Viele der verpönten Füllwörter lassen sich ersatzlos streichen. Das wird besonders bei längeren Texten und gezielter Suche deutlich. Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht, ab der auch Füllwörter positiv zur Stimmung des Textes beitragen oder die ganz eigene Sprache dieses Autors verdeutlichen.
Mittlerweile habe ich jeweils 50% der bisher verwendeten überhaupt, wirklich, eigentlich, doch entfernt. Aber nun bin ich in der Situation, dass ich zwar gerne noch ein weiteres tatsächlich reduzieren möchte, wenn aber die eigentliche Aussage des Satzes erhalten bleiben soll, müsste ich ein wirklich dafür einsetzen. Ich merze das eine Füllwort aus und füge dafür an anderes hinzu. Gibt es bessere und schlechtere Füllwörter oder habe ich einfach das individuelle Füllwortgleichgewicht meines Textes erreicht?
Furthermore, durch das Fehlen der Füllwörter wird der Text immer kürzer. Da schreiben fleißige November-Wettschreiber (National Novelwriting Month) 30.000 Wörter in einem Monat, ich bekomme die gleiche Anzahl nicht im ganzen Jahr zusammen und nun fange ich auch noch an, immer mehr der sorgfältig zusammengerafften Wörter wieder auszumerzen?
Wo ist die Stelle, an der die Sprache von blumig und informell zu glatt, ausdruckslos und steril kippt? Irgendwie muss es gelingen, die Waage zwischen diesen beiden Polen im Gleichgewicht zu halten.


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