Warum schreibst Du? Das ist die Frage, die routinemäßig gestellt wird und für die jede und jeder eine passende Antwort griffbereit hat. Die Frage blickt in die Vergangenheit: Was ist der Grund für mein Schreiben? Aber was soll aus dem Geschriebenen werden? Das ist mit der Frage nach dem Grund des Schreibens gar nicht klar. Die zweite Frage lautet also: Wozu schreibe ich: Was habe ich vor mit meinen Texten? Diese Frage blickt in die Zukunft: Was soll aus dem Geschriebenen werden?
Die Texte können nur für mich sein und in der Schublade bleiben. Sie können auf einem Blog anderen zur Verfügung stehen. Sie können als Buch gedruckt werden und verkauft werden. Sie können als Slam vorgetragen werden. Das sind die ersten Antworten, die mir dazu einfallen. Es gibt überraschend viele Optionen. Und an jeder der Optionen hängen weitere Entscheidungen wie ein kostenpflichtiges Abonnement für den Blog oder die Frage nach Verlag versus Selfpublishing beim Buch.
Die Antworten machen deutlich, wie viele Möglichkeiten es gibt. Einen Text einfach nur für mich selbst zu schreiben ist eine davon. Und es ist nicht einmal die schlechteste. Wenn ich etwas schreibe, sollte es zuallererst mir selbst gefallen. Oder mir selbst bei irgendeinem Thema weiterhelfen. Furthermore*, diese Gedanken führen weg vom zwanghaften Veröffentlichenmüssen und der ewigen Frage „Wann bin ich ein Autor?“ Wieso geht Schreiben nicht auch ohne Veröffentlichen? Beim Gitarrespielen geht es doch auch ohne Konzertarena!
Mittlerweile ist das Veröffentlichen gar kein Problem mehr. Das Gelesenwerden, das ist die Herausforderung. Die Frage ist also nicht: Schreibe ich für mich oder für die Öffentlichkeit. Die Frage ist: Ist es mein Ziel, dass möglichst viele Personen meinen Text lesen? Und, messe ich den Erfolg oder gar die Qualität meines Textes/Schreibens an der Anzahl der Leser?
Diese ganzen theoretischen Fragen, die den Grund des Schreibens von dessen Ziel unterscheiden mögen als Spitzfindigkeiten erscheinen, doch sie sind mir wichtig, weil mir klar geworden ist, wie sehr die Freude meines Schreibens daran hängt. Ich mag sehr theoretisch an dieses Thema herangehen, aber die Posts in SocialMedia machen deutlich, dass ich längst nicht der einzige bin, der an Fragen wie „Warum wird mein Buch nicht gelesen?“ hängen bleibt und daraufhin das eigene Schreiben in Frage stellt.
Aber diese beiden Dinge hängen einfach gar nicht zusammen! Natürlich wäre ein Verkaufserfolg Anlass zur Freude und hoffentlich auch eine wirtschaftliche Basis für das weitere Schreiben. Aber die Umkehrung stimmt eben nicht. Zwischen dem Grund für mein Schreiben und dem erfolgreichen Buch liegen so viele weitere Entscheidungen, Motive und Herausforderungen, dass ein wirtschaftlicher Misserfolg nur wenig über die Qualität des Schreibens aussagt. Indem ich mir dies bewusst mache, hole ich mir die Freude am Schreiben zurück. Auch ohne wirtschaftlichen Erfolg. Mir geht es jedenfalls so.
Was also soll aus meinen Texten werden?
Meine Texte bleiben nicht in der Schublade eingesperrt,
sondern sind auf zwei Blogs und in mittlerweile zwei Büchern für jedermann zu lesen.
* Ich mag gelegentliche Anleihen bei altmodischen Redewendungen wie ein an Anfang gesetztes „Außerdem,…“ oder dessen englischem Pendant. Und ja ich weiß, ich bin ein arger Theoretiker, der für alles erst einmal eine sachliche Datensammlung anstellt, bevor er „ganz spontan“ anfängt zu schreiben.